Kommt Ihnen das bekannt vor?
Sie warten sehnlichst auf jemanden und er kommt und kommt einfach nicht? So ähnlich geht es Menschen, die sich selber, oder andere, in lebensbedrohlichen Situationen befinden. Die sogenannte „Hilfsfrist“ ist eine gesetzliche Vorgabe und beträgt deutschlandweit normalerweise 8 Minuten. Im Heckenland sind es mittlerweile 15 Minuten. Diese Hilfsfrist gibt an, wann spätestens eine effektive, erste Hilfe eingeleitet worden sein muss.

Warum wurde diese Hilfsfrist bei uns angehoben? Ist doch super wenn der Rettungsdienst mehr Zeit hat?! Nicht wirklich. Hier wurde dem Problem der langen Anfahrtswege lediglich ein neues Gesicht verliehen. Brauch der Rettungsdienst also zu lange, um die Einsatzstelle zu erreichen und der Patient erleidet dadurch einen Schaden, kann der Kreis, als Träger des Rettungsdienstes, hierfür nicht mehr belangt werden.

Hier kommen die First Responder, zu deutsch „erster Antwortender“, ins Spiel. Sie werden immer dann alarmiert, wenn ein Notruf abgesetzt wurde und der Disponent in  der Leitstelle entschieden hat, dass eine lebensbedrohliche Situation vorliegt. Die „FRP’S“ sind ortskundige Vereinsmitglieder mit einer Sanitäterausbildung und regelmäßiger Ausbildung im Bereich der Notfallmedizin. Durch die örtliche Nähe sind sie oftmals schon wenige Minuten nach Absetzen des Notrufs vor Ort und können erste lebensrettende Maßnahmen einleiten. So kann die wertvolle Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrückt werden. 2020 waren unsere First Responder an 63 Einsätzen im gesamten Heckenland beteiligt.

Die FRP’s sind mit einem gut ausgestatteten Notfallrucksack ausgerüstet. Darin befinden sich Geräte zur Diagnostik, wie z.B. ein Blutzuckermessgerät, ein Blutdruckmessgerät, ein Stethoskop oder eine Pupillenleuchte. Weiterhin führen sie Materialien zur Blutstillung und zur Immobilisation von Körperteilen, z.B. nach einem Unfall, mit sich. Der routinierte Umgang mit den Geräten an der Einsatzstelle ist unumgänglich und muss daher regelmäßig geübt werden.

 

Hier ein kurzes Beispiel: 

Montagabend, 23:30 Uhr, nasskaltes Wetter. Frau O. findet ihren Mann (52) leblos im Schlafzimmer auf dem Boden. Sie versucht ihn zu wecken, doch er reagiert nicht. Geistesgegenwärtig wählt Frau O. die 112.

23:32 Uhr: Notrufannahme und Disposition.

23:33 Uhr: Alamierung des Rettungswagen und Notarztes aus Wittlich, sowie der First Responder Heckenland.

23:34 Uhr: Die alarmierten Einheiten rücken aus. Per App bekommt der FRP erste Informationen, am Telefon erfährt er die genaue Einsatzadresse im Nachbarort.

23:37 Uhr: Der First Responder fährt vor. Er steigt aus, nimmt seinen Rucksack und Frau O. öffnet ihm die Tür. Herr O. liegt auf dem Rücken, sein Gesicht ist blau verfärbt.

23:38 Uhr: Der FRP hat den Ernst der Lage erkannt. Die Atmung hat ausgesetzt und ein Puls ist nicht mehr tastbar. Er beginnt mit der Reanimation.

23:44 Uhr: Der Rettungsdienst trifft ein. Während der Herzdruckmassage konnte der First Responder bereits wichtige Infos zum Gesundheitszustand des Mannes erfragen, die er nun an den Arzt weitergibt.

23:46 Uhr: Der Rettungsdienst hat einen Defibrillator dabei. Das Gerät erkennt ein Kammerflimmern und empfiehlt einen elektrischen Schock abzugeben.

23:55 Uhr: Nach mehreren Zyklen hat Herr O. wieder einen spontanen Herzrythmus. Durch die früh eingeleitete Reanimation wird er keine bleibenden Schäden davontragen.