08.02.17 – Geschrieben von: Bastian Klein

Der erste Beitrag in unserem neuen Blog hat einen eher traurigen Hintergrund: Das Drama um die sechs toten Teenager in einer Gartenhütte in Bayern. An dieser Stelle möchte ich -auch im Namen des gesamten OV Heckenland- unser tiefstes Mitgefühl und unsere Trauer über den Verlust der Familien aussprechen.

Ich möchte dieses Thema gar nicht nutzen um uns in den Fokus zu rücken. Aber immer wieder erfährt man aus der Presse von ähnlichen Unfällen. Als Feuerwehrmann und Rettungsdienstler kenne ich die tödlichen Eigenschaften dieses Gases und sehe immer wieder Fälle, bei denen Menschen durch Unvorsichtigkeit eine sogenannte CO-Vergiftung erlitten haben.

Beispielsweise das Mädchen mit Kopfschmerzen und starkem Schwindel beim Mädelsabend. Beim Betreten der Wohung ertönte plötzlich der Alarm unseres CO-Warners, ein Gerät dass wir immer am Rettungsrucksack haben und uns vor dem geruchslosen und unsichtbaren Gas in der Umgebung warnt. Die Damen hatten eine Shisha in einem unbelüftetem Raum stehen. „Glücklicherweise“ zeigte die Erste frühzeitig Symptome, sodass schlimmeres verhindert werden konnte.

Vieleicht wussten Sie es schon: Bei einem Brand sterben die meisten Opfer durch den Brandrauch, statt durch die Flammen. Kohlenmonoxid (CO) ist ein Hauptbestandteil von Brandrauch. Es ensteht bei Verbrennungsprozessen ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr. Zum Beispiel auch beim Grillen mit Holz und Kohle.

Was ist dieses CO?

CO ist ein brennbares, geruchsloses und farbloses Gas, welches nur minimal leichter als unsere Umgebungsluft ist. Wer sich mit der Berechnung von Molgewichten auskennt: Das Molgwicht unserer Atemluft beträgt 28,8 g/mol. CO hat ein „Gewicht“ von 28 g/mol. Jedes Gas, welches weniger als 28,8 g/mol hat, ist leichter als Luft, welches darüber liegt ist schwerer. Den Feuerwehrleuten dürfte CO vorallem im Zusammenhang mit der berühmt berüchtigten Rauchgasdurchzündung bekannt sein.

Wie wirkt CO im Körper?

Kohlenmonoxid ist ein Gas der Atemgiftgruppe 3: Stoffe mit Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen.

Wenn wir atmen findet in unserer Lunge der Gasaustausch statt. Sauerstoffmoleküle treten durch die Lungenbläschen (Alveolen) ins Blut über und heften sich an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin). In der richtigen Zelle angekommen löst sich der Sauerstoff vom Hämoglobin und tritt in die Zelle über. Im Gegenzug wird KohlenstoffDIoxid (CO²), also ein Hauptbestandteil der Ausatemluft, ins Blut abgegeben. Wieder in der Lunge angekommen, wird das CO² abgegeben und neues O² aufgenommen.

Befindet sich jetzt CO in der Umgebung gelangt es, ebenso wie die Atemluft, in die Lunge. Unsere roten Blutkörperchen haben allerdings eine bis zu 240 bis 300 mal größere Affinität zu CO wie zu O². Das bedeutet dass sich unsere roten Blutkörperchen viel lieber mit CO beladen, als mit Sauerstoff. Das schlimme daran ist, dass das CO jetzt nicht mehr, bzw. nur noch seeehr langsam vom Blut abgegeben wird. Man erstickt also innerlich, da die Erythrozyten mit CO beladen sind und somit den lebenswichtigen Sauerstoff nicht mehr aufnehmen können.

Durch die hohe Affinität zu CO sind die Grenzwerte in der Atemluft verhälnismäßig gering. Bereits ab einer CO-Konzentration von nur 0,0035 % (35 ppm = 35 parts per million) kann es innerhalb von 6-8 Stunden zu ersten Symptomen kommen. Eine Konzentration von 0,08 % (800 ppm) führt innerhalb von 2 Stunden zur Bewusstlosigkeit. Bei einem Atemluftanteil von 1,28 % CO (12.800 ppm) tritt innerhalb weniger Minuten der Tod ein

Welche Symptome treten auf?

Schwer zu sagen. Bei vielen Menschen, auch bei mir, macht sich eine erhöhte CO-Konzentration in der Luft durch Kopfschmerzen, begleitet von Schwindel und teilweise Übelkeit bemerkbar. Je nach Konzentration der Umgebung auch Schläfrigkeit. Sind wir nicht gerade hellwach und im vollen Besitz unserer geistigen Fähigkeiten merken wir das Gas kaum bis garnicht. Eine sichere Abhilfe kann hier nur eine konsequente Vorsorge oder ein CO-Warner schaffen. Diese gibt es bereits relativ günstig und sind schon vorab mit einem Rauchmelder kombiniert. Wichtig ist, dass explizit auf der Verpackung darauf hingewiesen wird, dass der Melder auch vor CO waren kann. Das liegt daran, dass ein einfacher Rauchmelder über ein optisches Messverfahren gesteuert wird und ein CO-Melder durch einen chemischen Abgleich in einer Messzelle. Zudem weisen Menschen, die an einer CO-Vergiftung gestorben sind nicht die klassischen Totenflecken auf. Sind die Erythrozyten nicht beladen verfärben sie sich blau. Da sie aber mit CO beladen sind, weisen diese Menschen eine rosige bis blasse-graue Hautfarbe auf.

Wie wird eine CO-Vergiftung behandelt?

Wichtig ist eine sofortige Frischluftzufuhr und eine möglichst schnelle Zufuhr von medizinischem Sauersoff. Eine reine Frischluftzufuhr ist aber nicht vollständig ausreichend, da die Halbwertszeit von CO im Blut über 5 Stunden beträgt. In schweren Fällen müssen Betroffene in einer Druckkammer behandelt werden. Eine durch die Vergiftung entstandene ph-Wert-Verschiebung im Blut kann mit Bikarbonat behandelt werden.

Für den Rettungsdienst, bzw. die First Responder, die bei einem Brand vor Ort sind stellt sich zusätzlich eine weitere Schwierigkeit dar. Bei einer schweren CO-Vergiftung kann das Pulsoxymeter einen guten, aber falschen, Wert anzeigen. Die Geräte messen lediglich ob die Erythrozyten beladen sind. Nicht aber womit. Dafür bedarf es eines extra Geräts. Menschen, die aus einem Brandereignis geretten wurden sind daher grundsätzlich mit Sauerstoff zu versorgen.

Beachten Sie daher folgende Tipps:

  • Lassen Sie den Grill nach Benutzung immer draußen stehen.
  • Lassen Sie das Auto oder andere Motoren nie in unbelüfteten Räumen laufen.
  • Sorgen Sie beim Shisha rauchen für ausreichende Belüftung. Stellen Sie die Pfeife bzw. die Kohle nach Benutzung nach draußen.
  • Öffnen Sie bei Symptomen sofort die Fenster, warnen Sie weitere Anwesende und wählen Sie den Notruf 112.
  • Achten Sie beim Campen darauf, dass Stromerzeuger weit genug weg stehen.
  • Sorgen Sie stets für eine gute Wartung Ihrer Feuerstellen.

 

Wir wünschen den Familien in diesen schweren Zeiten viel Kraft!