Brustschmerz kann viele Ursachen haben und muss schon garnicht zwangläufig ein Herzinfarkt sein. Oftmals verspannt sich die Zwischenrippenmuskulatur und erzeugt einen äußerst unangenehmen, stechenden Schmerz im Brustbereich. Dieser Schmerz verändert sich bei Bewegung oder wenn Sie atmen und ist absolut harmlos. Meist ist dieser nach wenigen Sekunden wieder verschwunden.

ROT markierte Textstellen geben Hinweise zur präklinischen Diagnostig und Infos für Fachleute.

Der Herzinfarkt hingegen wartet mit einigen gut zu erkennenden Symptomen auf:

  • Länger andaunernder Bewegungs- und AtemUNABHÄNGIGER Brustschmerz (brennendes Gefühl), teils mit Ausstrahlung in den linken oder rechen Arm, sowie in den Unterkiefer, den Unterbauch oder den Rücken (öfters bei Frauen)
  • Innerliche Unruhe und Angst
  • Engegefühl in der Brust
  • Herzrasen
  • Blässe, Schwindel, Übelkeit/Erbrechen
  • Luftnot bzw. kurzatmigkeit
  • Kalter Schweiß (unterscheidet sich deutlich von normalem Schweiß)
  • Unregelmäßiger Herzrythmus
  • Ggf. Bewusstlosigkeit

Präklinische Symptome

  • Tachykardie
  • Retrosternaler Schmerz
  • Ggf. Arythmie
  • Ggf niedriger Blutdruck
  • Ggf. EKG-Veränderung (z.B. ST-Hebung)
  • Ggf. SpO2-Abfall
  • Ggf. Rasselgeräusche bei Auskultation der Lunge (Lungenödem)

Was ist ein Herzinfarkt?

Grob gesehen ist ein Herzinfarkt ein Verschluss einer Koronaraterie durch Ablagerungen wie Kalk und/oder Fett. Diese versorgen den Herzmuskel, das Myokard, mit sauerstoffreichem Blut. Ist eine dieser Aterien verschlossen wird das dahinter liegende Areal nicht oder nur noch unzureichend mit frischem Blut versorgt. Die Folge sind mäßig bis starke Schmerzen mit den oben genannten Symptomen, welche auftreten können, aber nicht müssen.

Das Herz versucht jetzt diesen Umstand zu kompensieren, indem es schneller schlägt. Da es aber nicht mehr auf die volle Kraft des ganzen Muskels zurückgreifen kann, kann der Blutdruck abfallen.

Ein Herzinfarkt ist immer ein zeitkritischer Notfall. Je nach Größe des betroffenen Bereichs kann ein Kammerflimmern oder ein Herzstillstand früher,später oder auch garnicht eintreten. Das Kammerflimmern ist meist eine Folge der Durchblutungsstörung. Das Herz zittert nur noch vor sich hin und hat keinen richtigen Blutauswurf mehr. Betroffene verlieren meist innerhalb von Sekunden das Bewusstsein. Es besteht absolute Lebensgefahr. Oftmals kann nur eine Reanimation und der Einsatz eines Defibrillators das Leben des Betroffenen retten. Je früher die Reanimation begonnen wird, desto höher ist die Überlebenschance. Pro vergangene Minute ohne Herzdruckmassage sinkt diese um 10%. Der Einsatz eines Defi’s erhöht die Überlebenschance zudem enorm. Man spricht deshalb auch von einer „Frühdefibrillation“. Mehr zur Reanimation erfahren Sie im entsprechenden Artikel.

Da man im Rettungs- und Sanitätsdienst oftmals nur nach „Verdacht auf“ arbeiten kann, kann man seinen bestehenden Verdacht ggf. mit einem EKG untermauern. Hier wird grob unterschieden zwischen einem STEMI und einem N-STEMI. Ein ST-Strecken Elevations Myokardinfarkt ist ein recht deutliches Zeichen für einen Herzinfarkt, da hier bereits ein Gewebsuntergang stattgefunden hat und eine Veränderung im EKG sichtbar ist. Man spricht auch von einer Schulterhebung da die auslaufende Q-Zacke im EKG eine Hebung hervorbingt und direkt in die T-Welle übergeht. Die S-Zacke, sowie die ST-Strecke ist nicht vorhanden. Je länger der Infarkt zurückliegt, desto mehr bildet sich diese Hebung zurück, bis sie garnicht mehr sichtbar ist. Die T-Welle kann kurzzeitig negativ ausfallen. Das N vor Stemi steht für „NON“ und bedeutet dementsprechend dass keine Veränderung sichtbar ist, da es entweder zu früh oder schon zu lange her ist.

Ob es sich letztendlich um einen Herzinfarkt handelt kann bei nicht eindeutigen Symptomen oft nur im Krankenhaus durch eine Blutentnahme geklärt werden.

Vorboten eines Herzinfarkt

In vielen Fällen kündigt sich ein Herzinfarkt an. Man spircht von einer „Angina Pectoris“ oder kurz „AP“. Sie drückt sich durch kurzzeitigen Schwindel, Luftnot, kurzatmigkeit und Brustschmerz aus. In Ruhe oder unter Gabe von Nitropräparaten (z.B. Nitrolingual-Spray) bessern sich die Symptome meist. Die AP wird nochmals unterteilt in eine „instabile“ und eine „stabile“ AP.

Präklinisch kann die AP kaum vom „vollendeten“ Herzinfarkt abgegrenzt werden. Daher spricht man im allgemeinen vom „akuten Koronarsyndrom“, kurz „ACS“ und die Behandlung vor Ort ist gleich dem Herzinfarkt.

Stabile Angina Pectoris: Durch körperliche Anstrengung, z.B. Treppensteigen, ausgelöste Beschwerden, die sich in Ruhe oder unter der Gabe von  Nitro wieder bessern.

Instabile Angina Pectoris: Jedes erstmalige Auftreten der Beschwerden. Auftreten der Beschwerden in Ruhe, bzw. bei geringer Belastung.

Die Aterien sind hier nur teilweise verschlossen und lassen, je nach Belastung und Art der AP, nicht ausreichend frisches Blut durch. Geben Sie sich in keinem Fall damit zufrieden dass es von selber wieder weggeht! Suchen Sie schnellstmöglich einen Arzt auf, bzw. wählen Sie die 112, bevor sich ein vollständiger Verschluss entwickelt. Die Ablagerungen lagern sich über einen längeren Zeitraum im Gefäß (Aterie) ab.

Wer ist gefährdet?

Meistens sind Menschen im fortgeschrittenen Alter gefährdet. Aber auch Personen im Alter von 35 – 50 Jahren sind immer wieder betroffen. Jüngere Patienten sind ehr die Ausnahme, aber dennoch möglich.

Risifofaktoren sind:

  • fettreiches Essen
  • ungesunde Lebensweise
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • kein Sport und mangelnde Bewegung
  • genetische Vorerkrankung
  • Rauchen
  • Stress

Wie gehe ich mit Betroffenen um?

  • Bleiben Sie ruhig und beruhigen Sie so den Patienten
  • Legen Sie den Patienten hin, lagern Sie den Oberkörper HOCH. Legen Sie niemals die Beine hoch. Das Herz wäre dann überfordert.
  • Wählen Sie den Notruf 112 und beantworten Sie ruhig die Fragen des Disponenten
  • Reden Sie mit dem Patient und beobachten Sie ihn ständig.

Bei Bewusstlosigkeit

  • Legen Sie den Patient auf den Rücken
  • Bewusstsein Prüfen: An den Schultern rütteln, in die Hand pitschen (Schmerzreiz)
  • Atmung kontrollieren: 1. Mundraum kontrollieren, 2. Kopf überstrecken und 10 Sekunden auf Atmung achten, dabei die Hand auf den Brustkorb legen um eine Bewegung zu erkennen
  • Bei verlegtem Mundraum den Patient zur Seite drehen und das Erbrochene „ausschütten“ und erneute Atemkontrolle
  • Bei vorhandener Atmung: Stabile Seitenlage und ständige Überwachung
  • Bei nicht vorhandener Atmung: Reanimation im Rythmus 30 zu 2

Oder

  • Wählen Sie erneut den Notruf 112. Der Disponent wird Ihnen ggf. bei der Reanimation helfen und bleibt am Telefon bis der Rettungsdienst oder First Responder eingetroffen ist.

 

Was macht der Rettungsdienst bei einem Herzinfarkt?

Oftmals wird bei einer solchen Notfallmeldung direkt ein Notarzt mitalarmiert. Der Rettungsdienst hat einen eigenen Defibrillator dabei.

Folgende Werte werden erhoben:

  • Lagerung herstellen
  • EKG (wenn möglich 12-Kanal)
  • SpO2 (Sauerstoffgehalt im Blut)
  • Blutdruck
  • Herzfrequenz (mit EKG)
  • Unter 94% SpO2 geringe Sauerstoffgabe
  • Anamnese, ggf. nach SAMPLER
  • Intravenösen Zugang legen
  • Ggf. Gabe von Nitro durch RA
  • Medikamentengabe durch Notarzt (z.B. nach MONA HB)
  • Monitoring und Transport ins Krankenhaus, bei Bedarf mit Sonderrechten

 

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